Neukaledonien ist eine zu Frankreich gehörende Inselgruppe im südlichen Pazifik, ca. zwei Flugstunden nordöstlich von Darwin. Anhänger der Unabhängigkeitsbewegung nennen die Inselgruppe auch „Kanaky“. Geografisch gehören die Inseln zu Melanesien. 2018 werden seine Einwohner entscheiden, ob die Inselgruppe weiterhin unter der Territorialhoheit des französischen Staates verbleiben oder ihre Unabhängigkeit erwerben will. Auf den Inseln leben an die 250.000 Menschen, alleine in der Hauptstadt Nouméa ca. 91.000.  Das durchschnittliche pro Kopfeinkommen beträgt pro Jahr ca. 30.000€, damit ist Neukaledonien die wohlhabendste Insel im südlichen Pazifik.

Das „Neukaledonische Barriereriff“, das zweitgrößte Korallenriff der Erde, gehört zum Weltkulturerbe der UNESCO. Zu Neukaledonien gehört die Hauptinsel Grande Terre, die Beleb- und Chesterfield-Inseln, die Île des Pins und die Loyalitätsinseln.

Die Urbevölkerung (Kanaken) bildet mit einem Anteil von ungefähr 44 Prozent der Bevölkerung nur noch eine Minderheit. Eine große Bevölkerungsgruppe stellen die Nachfahren der ersten Siedler aus Frankreich, die Caldoches, zusammen mit den Métropolitains, den französischen Neueinwanderern. Insgesamt machen Weiße 34,1% der Bevölkerung aus. Viele Kanaken pflegen in ihren Stämmen weiterhin ihre eigenen Sprachen und Gebräuche. Insgesamt gibt es 28 Kanak-Sprachen auf den Inseln, die in den letzten Jahrzehnten aber zunehmend weniger gesprochen werden, obwohl sie heute an den Grundschulen unterrichtet werden und vier davon auch zum Baccalauréat (Abitur) zugelassen sind. Amtssprache ist Französisch, das von annähernd allen Bewohnern der Inseln gesprochen wird. Einige wenige sprechen Englisch.

Die Besiedlung Neukaledoniens fand vermutlich um 1500 v. Chr. durch Einwanderer aus Südost-Asien und später durch Polynesier statt. Von den Europäern wurden die Inseln erst  sehr viel später entdeckt. James Cook verlieh ihnen am 4. September 1774 ihren heutigen Namen. Besiedelt wurden sie während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts sowohl von Großbritannien als auch von Frankreich. Die Franzosen nutzen sie, ähnlich wie die Briten Australien, als Strafkolonie. Die einheimische Bevölkerung wurde über Jahrhunderte durch das Apartheid ähnliche System des „Code de l’ Indigénant“ unterdrückt. Am 27. Oktober 1946 wurde Neukaledonien zum französischen Überseeterritorium erklärt. 1953 erhielten alle Bewohner die französischen Bürgerrechte. 

Ich wohne in der Hauptstadt Nouméa, die auf der Hauptinsel Grand Terre liegt. Mein Airbnb-Gastgeber ist eine junge Familie mit zwei Kindern. Die Frau ist Französin, der Mann Neukaledonier. Sie haben sich in Frankreich an der Universität kennengelernt und leben seit einigen Jahren in der Hauptstadt. Das Einfamilienhaus mit Pool liegt in einer schicken Villensiedlung am Stadtrand. Die Familie ist wohlhabend, wie die meisten Französischstämmigen im Land. Für Europäer und gut ausgebildete Einheimische gibt es, zumindest in der Hauptstadt, ausreichend und gut dotierte Jobs. Für viele Einheimische, besonders junge Männer, bleibt dies unerreichbar. Je nachdem wen man fragt, bekommt man zu den Ursachen sehr unterschiedliche Erklärungsansätze. Die einen sagen, dass sie aufgrund ihrer Herkunft nicht eingestellt werden bzw. nur sehr schlecht bezahlte Berufe angeboten bekommen. Die anderen behaupten, dass die jungen Männer gar nicht arbeiten wollen. Das  Arbeitslosengeld und die Sozialhilfe bieten ihnen, trotz ähnlich hoher Lebenshaltungskosten wie in Europa, ein  einfaches, aber selbstbestimmtes Leben. 

Von der Siedlung laufe ich in die Innenstadt und weiter an den Strand. Immer wieder treffe ich auf einheimische Jugendliche, die an Bushaltestellen, Parkplätzen und vor Geschäften sitzen oder stehen, sich unterhalten, laut Musik hören, trinken und rauchen oder eben alles zusammen machen. 

Die Stadt ist sehr modern: Es gibt eine Vielzahl an neuen Hochhäusern, französischen Supermärkten, spezialisierten Einzelhändlern, Ärzten. Ebenfalls ein Krankenhaus, ein Einkaufszentrum, mehrere Parks und gut ausgebaute Straßen und gefällige Strandpromenaden. 

Ein Einheimischer sagt mir, dass die Steuern, die hier auf den Inseln eingezogen werden, gerade dazu reichen, um die Lehrer zu bezahlen. Alle anderen Ausgaben werden von Frankreich finanziert.

Am Hafen liegt gerade ein Kreuzfahrtschiff. Direkt daneben hat die Stadtverwaltung ein kleines Einkaufszentrum für Touristen gebaut, sodass die Passagiere nicht einmal ihre gewohnte Umgebung verlassen müssen, um minderwertige und billig in China hergestellte Andenken während ihres  kurzen Landgangs teuer zu erstehen. In Laufnähe zum Hafen befindet sich der Busbahnhof und dahinter „China-Town“.

Ich laufe weiter entlang des Meeres und dann barfuß auf dem Sandstrand Richtung Süden. Obwohl es sehr windig und auch nicht wirklich warm ist, liegen schon einige Mutige auf ihren Decken und Matten und aalen sich in der Sonne. Auf der gegenüberliegenden Seite gibt es viele Boutiquen, Restaurants, Reisebüros, Eisdielen, Souvenirläden und Immobilienbüros. Die Infra- und Wirtschafts-, aber auch die Gesellschaftsstruktur gleichen sehr den Städten im Süden Frankreichs. Die meisten Autos sind modern und neu. SUV´s und Luxuslimousinen finden sich hier genauso wie Golf Zwei Modelle und französische Kleinwägen aus den 80er Jahren.

Am übernächsten Morgen fahre ich mit dem Überlandbus nach Bourail in den nördlichen Teil der Insel. Die Kleinstadt mit ihren 5000 Einwohnern, liegt 10km östlich des Meeres und  ca. 170km von Nouméa entfernt. Die Gegend ist sehr viel ländlicher und touristisch kaum erschlossen. Im Umland wird intensiv Landwirtschaft (Mais- und Kartoffelanbau und Rinder- und Schweinezucht) betrieben. Das erste mal in der Südsee sehe ich Bewässerungsanlagen auf den Äckern. Der Grund dafür ist ein Nord-Süd-verlaufender Gebirgszug, der die Hauptinsel in einen humiden Osten und einen im Regenschatten liegenden, eher ariden, Westen teilt.

Da es keinen öffentlichen Nahverkehr gibt, trampe ich zu den westlich der Stadt gelegenen Stränden: Plage de la Roche de Percée, Baie des Tortues und Plage de Poé. Die ersten beiden werden durch den markanten und weithin sichtbaren Quarzmonolith Bonhomme getrennt. Von dort erreiche ich ein über einen Wanderweg ein christliches Denkmal an einem Aussichtspunkt ca. 60m über dem Meer. Von hier oben sieht man das Riff in ca. 200 bis 300 Meter Entfernung. Nach einer halben Stunde erreiche ich die Baie des Tortues. Dort befindet sich ein Schutz- und Aufzuchtgebiet für Wasserschildkröten. Dem Höhenweg folgend erreiche ich nach zwei Stunden schließlich den Plage de Poé, der sich nördlich davon anschließt. Dort gibt es eine Jugendherberge, einige Hotels, einen Zeltplatz und einen herrlichen Sandstrand.

Es ist mittlerweile schon nach 17.00 Uhr. Ich laufe auf der Hauptstraße zurück in Richtung Bourail. Nach einer viertel Stunde passiert mich das erste Auto. Vorbei. Das zweite hält schließlich an. Eine Englischlehrerin fährt mich direkt zu meiner Unterkunft drei Kilometer außerhalb der Stadt.

Ich wohne bei einer Wahrsagerin, die tatsächlich etwas eigen ist, aber sie bereitet mir ein ausgezeichnetes Frühstück und erzählt mir, dass es sich mit der Wahrsagerei, Kartenlegen und dem Vermieten von drei Zimmern hier auf dem Lande ganz gut leben lässt. Die Unterkunft ist einfach, aber sauber. Außer mir wohnt noch ein Trupp Bauarbeiter in dem Gästehaus.

Den nächsten Tag wandere ich durch das Hinterland und besuche Bourail, das aber nicht wirklich viel Interessantes zu bieten hat. Am Abend fahre ich zurück nach Nouméa und kaufe mir am Hafen noch ein Returnticket für 100 Euro für das Betico Schnellboot am nächsten Morgen auf die Île des Pins.

Die Insel ist rund 130 km² groß und hat ca. 2000 Einwohner, verteilt auf acht Stämme. Die Anlegestelle ist im Süd-Westen der Insel bei Kuto. Dort gibt es auch ein paar Cafés und Restaurants. Der Fremdenverkehr ist mit weitem Abstand der bedeutendste Wirtschaftszweig auf der Insel, die auch  den französischen Spitznamen: „l’île la plus proche du paradis“ hat, was so viel wie „die Insel am nächsten zum Paradies“ bedeutet.

Viele Besucher sind Sporttaucher, die wegen der vorgelagerten Lagune, die Naturerbe der Unesco ist und zahlreiche Fisch- und Korallenarten beherbergt, auf die Insel kommen. Außerdem gibt es im Osten einige Wanderwege und im Südosten einige schöne Badestrände.

Einen halben Kilometer vor der Insel liegt ein Kreuzfahrtschiff. Die Passagiere werden mit kleinen Booten  herüber gefahren und zwei Stunden später wieder abgeholt. Neben der Fähre, die drei Mal pro Woche anlegt, kann man die kleine Insel auch dreimal täglich mit dem Flugzeug erreichen (Hin und zurück für 160 Euro). Öffentliche Verkehrsmittel gibt es hier nicht. Allerdings sind die meisten Ortschaften und Sehenswürdigkeiten auch zu Fuß gut zu erreichen.

Die beiden Strände in der Nähe der Anlegestelle sind schön, aber nicht wirklich paradiesisch. Das Meer ist ruhig und türkis-blau, der feine Sandstrand ist schneeweiß. Es ist zwar nicht ganz so typisch französisch wie auf der Hauptinsel um Nouméa, aber auch hier treffe ich alle paar Meter auf französische Touristen und Kreuzfahrer, die die Insel im Schnelldurchgang begehen und ihren Cappuccino und einen Aperol Spritz bzw. ein Bier in den wenigen geöffneten Restaurants und Bars am Strand trinken. Am Abend fahre ich mit der Fähre wieder zurück. 

Am nächsten Morgen stehe ich früh auf, um einen Sitzplatz für die sechsstündige Fahrt im 8.00 Uhr Bus nach Hienghène zu bekommen. Um 7.30 erreiche ich den Busbahnhof. Die Tickets werden, wie so oft, erst im Bus verkauft. Dort, wo er losfahren soll hat sich schon eine lange Schlange von ca. 30 Leuten gebildet. Um 9.00 Uhr ist immer noch kein Bus da. Es fängt an zu regnen. Die ersten Passagiere werden ungeduldig, einige gehen schon wieder nach Hause. Um 10.00 Uhr erfahre ich, dass der Bus wegen Motorschaden komplett ausfällt. Da er nur jeden zweiten Tag fährt, nehme ich um 11.00 Uhr die nächste Fahrmöglichkeit Richtung Norden, genau gesagt in das ca. 200km entfernte Koné, mit der Hoffnung von dort irgendwie weiterzukommen.

Als wir in dort ankommen, erfahre ich, dass heute kein Bus mehr an die Ostküste weiterfährt. Ich entschließe mich zwei Kilometer in Richtung Ortsausgang zu laufen, um mal wieder weiter zu trampen. Es ist früher Nachmittag, die Sonne brennt unerbittlich. Auf dem Parkplatz, an dem ich stehe, gibt es weder ein Haus noch einen Baum, wo ich ein wenig Schatten ergattern könnte. Glücklicherweise erlöst mich eine Dame mittleren Alters schon nach einer halben Stunde von meinem unfreiwilligen Sonnenbad.

Die Fahrt über die Berge zieht sich, obwohl wir uns angeregt unterhalten, ganz schön hin. Die Straße ist eng, immer wieder geht es die Berge hinauf und wieder herunter, alles im gemütlichen Sonntagsnachmittagsausflugstempo. Als  ich nach weiteren zwei Stunden an der Ostküste aussteige, fängt es an leicht zu regnen. An einer Bushaltestelle finde ich Unterschlupf. Als ich den Fahrplan studiere muss ich feststellen, dass es auch von hier heute per Bus nicht mehr weiter Richtung Norden geht. Also stelle ich mich wieder an die Straße und hebe meinen Daumen. Die erste halbe Stunde passieren mich nur zwei Fahrzeuge, aber dann hält eine junge Kanaky-Familie an. Als sie hören, dass ich nach Hienghène möchte, um dort in einem Eingeborendorf zu übernachten, grinsen sie mich an und bitten mich einzusteigen. Nachdem die Frau nach hinten zu ihrem zweijährigen Kind umgestiegen ist, setze mich neben den Mann auf den Beifahrersitz. Das Auto ist schon ziemlich heruntergekommen. Überall hängen Kabel herum, die Türverkleidungen sind verschlissen, der Fensterheber funktioniert nicht mehr und die Klimaanlage erledigt ihren Dienst nur noch widerwillig. Wir unterhalten uns anfangs  sehr angeregt; dann sind meine Französisch- und seine Englischkenntnisse allerdings erschöpft und wir genießen stumm die vorbeifliegende Landschaft.

Gegen 17.00 Uhr erreichen wir auf einem Hügel einen Aussichtspunkt, wo sie mir das Huhn von Hienghène zeigen wollen. Der Felsen, der ca. 100m vom Ufer entfernt, schroff aus dem Wasser ragt, hat nach einigen Minuten der Betrachtung tatsächlich die Konturen eines Huhns, das auf dem Meer sitzt oder vielleicht sogar darin schwimmt.

Gegen Einbruch der Dunkelheit erreichen wir schließlich die Ortschaft. Außer einigen Hotels, einem kleinen Hafen, einer Segelschule und ein paar Häusern gibt es nicht wirklich viel zu sehen. Die Tourist-Information ist schon geschlossen. Ich quartiere mich in der Ka Waboana Lodge, oberhalb des Hafens, ein. Das Zimmer ist klein, aber nett eingerichtet, das Essen im Restaurant ausgezeichnet.

Am nächsten Morgen laufe ich an den Strand hinunter und werfe noch einmal einen Blick auf das Huhn von Hienghène. 

An einer kleinen Bucht entdecke ich einige Palmen, auf deren Blattstielen Liebespaare und andere Besucher künstlerisch Namen und Zahlen für ihre Nachwelt hinterlassen haben.

Danach gehe ich zurück zur Touristen-Information, um mir ein Zimmer in einem Eingeborenendorf in der Nähe zu suchen. Die junge Dame gibt sich große Mühe, aber entweder sie erreicht niemanden oder die Familien nehmen gerade an diesem Wochenende niemanden auf. Die Nebensaison hat eben auch so ihre Tücken. Nach einer Weile macht sie mir den Vorschlag, in ihrem Dorf bei ihr zu übernachten. Zuerst zögere ich, aber dann stellt sich heraus, dass auch sie im Zimmerregister der Stammesunterkünfte eingetragen ist. Ihr Cousin, der einzige in der Familie, der ein Auto hat, holt uns nach ihrem Dienstschluss am Büro ab. Wir fahren Richtung Westen, mitten durch den Urwald. Einmal halten wir an einem kleinen Supermarkt: Sie kauft ein Huhn, Yams, Zwiebeln und ein wenig anderes, mir fremdes, Gemüse. Das Dorf liegt 20 Km entfernt, die Fahrt dorthin ist abenteuerlich und dauert sage und schreibe eine Stunde. Als wir kleine Bäche und baufällige Brücken passieren müssen, zweifle ich für einen Moment ob wir jemals ankommen würden. Schließlich erreichen wir die kleine Siedlung, die an einem Fluss liegt. Sie ist sehr weitläufig, eigentlich gar kein Dorf sondern eher eine Anhäufung von mehreren Höfen. Am Gemeinschaftshaus finden gerade die Geburtstagsfeierlichleiten einer älteren Dame statt. Der Cousin erzählt, dass heute Abend das ganze Dorf hier feiern wird. Die Straßen sind, wie schon den ganzen Weg hierher, nicht geteert, im Gegenteil: überall Schlaglöcher, Steine, Schweine und Hühner.

Alle Häuser sind aus Holz gebaut. Außer unserem Auto sehe ich nur noch zwei weitere Fahrzeuge. Es ist sehr ruhig, Menschen sind nur hier und da zu sehen. Überall sind Äcker, Felder und an jeder Ecke sitzt ein Hund. Nach meinen Erfahrungen in Südamerika entschließe ich mich meinen Spaziergang zu verkürzen und unterhalte mich stattdessen ein wenig mit meiner Gastgeberin, die recht gut Englisch spricht. Als es Dunkel wird, wird das Huhn, gegart mit Tomaten, Yams und Zwiebeln serviert. Das Zimmer mit Abendessen und Frühstück kostet nur zwölf Euro. Sie bietet mir an am nächsten Morgen mit ihr und ihrem Cousin wieder nach Hienghène zurückzufahren. Dafür bezahle ich weitere zehn Euro. Um sieben Uhr soll es los gehen, kurz nach acht Uhr fährt mein Bus zurück nach Nouméa.

Ich gehe in mein kleines Zimmer. Die Toilette und die Waschgelegenheiten befinden sich hinter dem Haupthaus.  Um halb sieben läutet mein Wecker. Ich gehe wie besprochen zur Küche wo mein Frühstück serviert werden soll. Aber weder meine Gastgeberin, noch der Cousin noch das Frühstück stehen bereit. Einzig einige paar Frauenschuhe stehen fein säuberlich drapiert neben der Tür. Nichts Böses denkend mache ich einen kleinen Spaziergang durch das Dorf. Niemand ist zu dieser Zeit schon auf den Beinen, anscheinend schlafen selbst die Hunde noch. Als ich zur Küche zurückkomme rührt sich immer noch nichts. Ich werde langsam ungeduldig, denn  in einer Dreiviertelstunde  fährt mein Bus nach Nouméa. Und es ist natürlich der einzige heute und morgen Mittag hebt mein Flugzeug nach Vanuatu ab. Ich werde langsam richtig sauer. Ich gehe nochmal zu ihrem Zimmer. Ich höre Geräusche, die sich schnell als Gestöhne und Gefiebe zweier Personen herausstellen. Ich will ja nicht unhöflich sein, aber andererseits fährt mein Bus in einer halten Stunde und ich sehe weit und Breit noch keine Mitfahrgelegenheit. Also rufe ich wieder ihren Namen. Plötzlich ist es still. Ich sage ihr, dass ich unbedingt den Bus erreichen müsste. Immer noch kein Laut. Ich klopfe mit aller Kraft noch einmal an die Tür. Jetzt höre ich Stimmen. Eindeutig zwei Frauenstimmen. Aber immer noch keine Reaktion. Nach einer Viertelstunde macht sie mir schließlich doch die Tür auf und erklärt mir, dass ihr Cousin in 15 Minuten kommen werde und dann könnten wir auch los fahren. So ist es dann auch. Der Cousin kommt völlig verschlafen, lädt uns beide ein und fährt einen flotten Reifen zurück in die Stadt, sodass ich schließlich meinen Bus noch erreiche, der einige Minuten später auch losfährt.

Die Fahrt geht zuerst an der Ostküste bis nach Kouaoua und dann quer durch das Landesinnere. Wir sind nur wenige Passagiere an Board. Die Reise durch das Gebirge ist spektakulär. Immer wieder geht es im Schneckentempo steil die Berge hinauf und in rasender Geschwindigkeit wieder hinunter. Erst als wir ein Flusstal erreichen wird es etwas ruhiger. Am späten Nachmittag bin ich am Busbahnhof von Nouméa und eine halbe Stunde später wieder bei meiner Familie in meinem Appartement.

Am nächsten Morgen frühstücke ich noch gemütlich und mache mich dann auf den Weg zum Flughafen. Am frühen Nachmittag geht mein Flug mit Air Calédonie nach Vanuatu.